Welt Sicht – Weit Sicht

Miteinander eine Welt gestalten

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Ausstellung von Marian Kretschmer (*1983)
in der St. Nikolaus Kirche Rosenheim

vom 28.10. bis 25.11.2017
präsentiert von Caritas-Rosenheim und M.Bumberger

Die Ausstellung besteht aus Fotografien aus Tansania und Acrylgemälden, die alle im Kontext seines Schaffens „Berg und Tal kommen nicht zueinander, aber Menschen.“ dieses Jahres entstanden.

Die Thematik der Kunstwerke beschäftigt sich mit dem Phänomen des ausufernden globalen Exodusses, dessen Ursachen und möglichen Lösungsansätzen.

„Berg und Tal kommen nicht zueinander, aber Menschen.“ Dieses tansanische Sprichwort gilt momentan mehr denn je. Immer mehr Menschen wollen sich ihr Leben nicht mehr durch willkürlich gezogene Grenzen und damit verbundenem Wohlstand bzw. verbundener Armut definieren lassen. Auf der einen Seite stehen ein stark wachsender Rucksacktourismus und eine steigende Rate der Auswanderung und diametral dazu die Flüchtlingswellen nach Europa.

Unter Betrachtung dieser Situation ist es wichtiger denn je, für ein friedliches Miteinander gewisse Grundwerte global zu entwickeln bzw. zu leben.

Migration / Immigration: Exodus ist auch Flucht vor dem eigenen Selbst. Das Hoffen, durch Änderung im Außen in einen inneren Frieden zu finden und somit in einen Frieden für Familie und Gemeinschaft. Basis für diese Hoffnung sind Gewohnheiten, Erwartungen und Sicherheitsbedürfnisse, die das Gegenteil von Vertrauen zum Leben und einer Wirklichkeit bedeuten, in der jeder zuerst in Verantwortung zu seinem eigenen Handeln steht.

Durch das Suchen im Außen (Diktatur, Ethnien, Hautfarbe, Weltansichten, Glauben etc.), ist alle Kraft für das eigene Reifen fehlgeleitet und setzt sich scheinbar endlos fort in der Suche nach einem Feindbild, welches dauerhaft nur das eigene Leiden aufrecht erhält.

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Ursachen dafür sind unter anderem die Fremdbestimmung in der eigenen Glaubenskultur und durch die Politik im Land. Das höchste Selbst wird unterdrückt und kolonialisiert bis zum Verbot oder seiner Eliminierung. Die Menschen stehen nicht grundsätzlich in gleichberechtigter Beziehung und Partnerschaft zueinander, sondern kolonialisieren sich gegenseitig. Die Ehe wird zum Zwang und folgt damit nicht der Liebe und Empathie, sondern vorgegebenen Gewohnheiten und Traditionen. Der Mensch lässt sich schrittweise entmündigen und wird infolge dessen zu dem, was ihm missfällt oder er sogar verachtet. Verachtet er die Zwänge wird er selber im Zwang leben, verachtet er das System wird er es selber praktizieren (Arno Grün).
Fortgesetzt in der Entwicklung werden Menschen zutiefst manipulierbar, da sie durch die permanente Unterdrückung keinen Zugang zu ihrem eigenen Gefühls- und Wertesystem mehr finden. Eine Politik, welche unreflektiert die Würde des Menschen antastet, züchtigt und erzieht sich lediglich Untertanen. Der Mensch ist eine Marionette, welche ab dem Zeitpunkt seiner Geburt in Höhe, Breite und Gewicht vermessen wird. An Vergleichswerten orientiert, wird seine Leistungsfähigkeit und ihr Ende bereits bestimmt und erwartet.

Wo der Mensch im Vertrauen zu sich selbst steht und zu jeder Zeit im Bewusstsein und voll und ganz in der Verantwortung zu seinem Handeln, liegt zugleich der nährende Boden für jede friedliche Kooperation und Gemeinschaft.

Die Symbolsprache in den Bildern von Marian Kretschmer ist dem Kubismus und der Tiefenpsychologie entlehnt.

Der Künstler Marian Kretschmer gestaltete Anfang 2014 im Auftrag von Strom für Afrika und des damaligen kenianischen NOK (Nationales olypmisches Komitee)-Präsidenten, Dr. Kipchoge Keino, dessen Highschool in Eldoret (Kenia).

Anschließend begann seine ehrenamtliche Arbeit in Kagera bei Mavuno (Tansania), einem Permakultur- und Bildungsprojekt in Zusammenarbeit mit Marafiki wa Afrika, cradle to cradle Chemnitz, Spring of help e.V. und Ingenieure ohne Grenzen e.V..

2016/2017 leitet Marian Kretschmer die künstlerische, malerische und illustrative Gestaltung des Friedenslaufs von Rom unter dem Motto „Für Frieden, Demokratie und Toleranz, gegen Fremdenfeindlichkeit“. Es fand eine Einzelausstellung „Alles ist gefrorenes Licht“ ( Link zum Katalog ) im Festsaal des Hotels des Vatikans Palazzo Cardinale Cesi in Rom statt, mit einer Audienz bei Papst Franziskus und der Überreichung des Werkes „Glut“ an den Vatikan: Übergabe an Hans-Peter Fischer, Rektor von Campo Santo Teutonico.

Weitere Informationen gibt es hier:
https://www.caritas-nah-am-naechsten.de/media/Media2344920.PDF

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„Das Fluidum des Ich´s“

„Wir alle haben tiefgreifende Unterdrückung und Ablehnung erlebt. In unserer Kultur ist es üblich, daß man in seinem Kindsein zurückgewiesen wird, weil man nicht den Erwartungen von Erwachsenen entspricht. Gleichzeitig darf ein Kind sich nicht als Opfer erleben, denn das würde dem Mythos widersprechen, daß ja alles aus Liebe und seinem Besten geschieht. So wird das Opfersein zur Quelle eines unbewussten Zustandes, in dem das eigene Erleben als etwas Fremdes ausgestoßen und verleugnet werden muß. Diesen Teil von sich wird der Mensch fortan suchen, ohne sich dessen bewußt zu sein. Es ist dieses Suchen, das uns zum Verhängnis wird.“
Zitat von Arno Gruen aus „Der Fremde in uns“

140cm x 140cm, acryl on canvas, 2017

 

Das Holz

Legen wir unser Wesen in die Form eines ausgespülten, gelösten Wurzelstrangs. Das Flussbett, in dem wir treiben, ist hier steinig und klar, später weich und trüb, mal offen und weit, dann wieder eingeschlossen und schmal. Wir wissen um seinen wechselnden Verlauf, fühlen uns magisch angezogen, legen oft unser Weh- und unseren -Mut hinein und lassen sie mit fortfließen. Als Treibholz hineingegeben stoßen wir uns in der Strömung, bekommen Scharten und Schrunden, werden im Sandigen, Seichten wieder glatt geschmirgelt und poliert. Verfangen wir uns in der Böschung und haften an, beginnen wir zu modern und stinken. Doch alles birgt Austausch und Wachstum, Fülle und Glanz. Die reine Hingabe lässt uns verwandeln und erblühen, unverwechselbar in unserer Gestalt und Patina. Und alles ist durchdrungen von den Kräften der stetigen Erneuerung. Unser Wesen ist aufmerksam, spontan, verspielt und liebevoll.

280cm x 120cm, acryl on canvas, 2017

Stirb oder befreie Dich

 

 

145cm x 145cm, acryl on canvas, 2017

„Sie können sich selbst nur (er)kennen, wenn Sie nicht bewusst vorgehen, wenn Sie nicht darauf abzielen, sich nicht schützen, nicht ständig darauf bedacht sind, die Dinge zu lenken, zu ändern, zu bändigen, zu kontrollieren – wenn Sie unerwartet sich selbst sehen, das heißt, wenn der Geist keine vorgefasste Meinung über sich selbst hat, wenn er offen ist, unvorbereitet auf die Begegnung mit dem Unbekannten.“ Zitat von Krishnamurti aus „Gedanken für jeden Tag“

Das Herz

„Wir erkennen, dass egozentrische, selbstbezogene Aktivitäten schädlich, zerstörerisch sind und dass jede Form der Identifikation – beispielsweise mit einem Land, mit einer bestimmten Gruppe, einem bestimmten Wunsch, den Anstreben eines Zieles, hier oder im Jenseits, die Verherrlichung einer Idee, das Nacheifern, das Streben nach Tugendhaftigkeit und so weiter – im Grunde eine egozentrische Aktivität ist. Alle unsere Beziehungen – zur Natur, zu anderen Menschen, zu Ideen – sind das Resultat dieser Aktivität. Was soll man tun, wenn einem all das bewusst ist? Dieses ganze Bestreben muss von selbst enden – nicht durch selbst auferlegten Zwang, nicht durch Beeinflussung, nicht durch Führung von außen.“ Krishnamurti über Selbstbezogenheit aus „Schöpferische Freiheit“

Die sich selbstverzehrende Flamme
Bedürftigkeit ist das Gegenteil von Hingabe

Eine Mutter, die sich nicht gut tut, die sich nicht fühlen kann und liebt, nichts ahnt, warum ist sie eigentlich da?
Ein Vater, der sich betäubt, der sich lähmt, was ist er wert?
Eine Frau, die sich nicht frei entfalten kann und erblühen lässt, was wird sie in der Welt hinterlassen?
Ein Mann, der nicht in seiner wahren friedvollen Kraft ist, was kann er schöpferisches geben?
Ein Mädchen, was nicht zu sich und ihrem Körper im Vertrauen steht, was wird sie ausstrahlen?
Ein Junge, der nicht weiß, wo er hingehört und nicht weiß, wem er sich in seinem Wesen verschenken darf, wie wird er der Welt begegnen?

Kann ein Herz in so einem Umfeld, in so einer Welt, aufwachsen und die Chance haben, ein Mensch zu werden? Wer will dann schon Mensch sein? Wer vermag überhaupt zu erkennen, was Menschlichkeit ist?

Wenn Menschen ihren Gefühlen nicht folgen und diese nicht leben, stumpfen sie ab. Sie entgleiten ihrer wahren Bestimmung und irgendwann hören sie auf, sich zu spüren. Lässt der Schmerz sie dies immer wieder erfahren und fühlen, versuchen sie, ihre Bedürfnisse über Konsum und Macht zu kompensieren. Der Druck steigt. Es entsteht eine immer größere Bedürftigkeit, weil alles in einem Selbst scheinbar fehlt, da der Zugang nur kurzzeitig oder gar nicht mehr spürbar ist. So entwickelt sich kein Vertrauen gegenüber dieser Welt. Da sie ihm, dem Menschen, scheinbar ihre Fühlbarkeit entzogen hat. Alles wird kontrolliert, alles wird festgehalten. Was spontan gefühlt wird, drängt nach ständiger Wiederholung. Doch dieses Festhalten von dem Wenigen erzeugt – einem Staudamm gleich – neue Blockaden. Und bringt den stetig versiegenden Energiefluss restlos zum Stillstand. Der Mensch ist nicht mehr fähig, sich dem Leben zu schenken. Warum ist er dann noch da?

Kann ein Herz in so einem Umfeld, in so einer Welt, aufwachsen und die Chance haben, ein Mensch zu werden? Wer will dann schon Mensch sein? Wer vermag überhaupt zu erkennen, was Menschlichkeit ist?

Was für eine Gemeinschaft wird aus solchen Wesen erwachsen? Eine Gesellschaft voller einzelner Individualisten? Wem nutzen diese? Und ein alles und vor allem sich selbst verschlingender Kapitalismus? Jede Bedürftigkeit ist eine neue Geschäftsidee. Es wird viele Opfer geben, aber keine Überlebenden. Es wird noch mehr Täter geben, aber keine Gewinner.
Es wird so lange alles leuchten, strahlen, schreien, blubbern, blitzen und donnern bis der letzte Rest an Materie verbrannt ist.

Kann ein Herz in so einem Umfeld, in so einer Welt, aufwachsen und die Chance haben, ein Mensch zu werden? Wer will dann schon Mensch sein? Wer vermag überhaupt zu erkennen, was Menschlichkeit ist?

Marian Kretschmer, 13.August 2017

Das wahre Einhorn

… eine
Reaktion von Unbekannt auf „Die Einhorn-Gesellschaft“.

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Marian Kretschmer 2017

Das wahre Einhorn ist ein das eigene Selbst bestimmendes und unabhängiges Wesen. Es sieht sich in seiner geschenkten Vollkommenheit und nimmt sich darin vollständig an. Es bleibt in dieser Wahrnehmung im absoluten Vertrauen zu sich selbst. Und es übernimmt dadurch die umfassende Verantwortung für sein Leben. Als kleiner Teil vom großen Plan erfährt, erfühlt, erkennt es auf seinen Wegen die ihm zugedachte Bestimmung und Aufgabe. In der Erfüllung seines Selbst, empfängt das wahre Einhorn in der Begegnung wort- und urteilsfrei die Gaben und Geschenke des Gegenübers. Eine echte Beziehung ist frei von Erwartungen dessen, was geschenkt werden möchte. Und frei von Vorwürfen darüber, was selbst erdacht, erhofft, gewünscht, gewollt worden ist. Es ist sich bewusst, das alles nicht Empfangene verblasst, verhungert, stirbt vor der fest verschlossenen Tür zum dunklen Keller seiner eigenen Seele.

Das wahrhaftige Einhorn akzeptiert die Wirklichkeit, und stellt sich darin aufgeschlossen und neugierig allen Herausforderungen. Besonders dem Schmerz, denn er birgt im hohen Maße Lebendigkeit und Klarheit. Als ein einzelnes Wesen ist es Nichts. Das wahrhaftige Einhorn reicht dem Tod freundlich die Hufe, da er ihm mit seiner Geburt als Begleiter zur Seite gestellt wurde, nicht die Zeit! Die Möglichkeit, eine neue Erfahrung zu machen, findet das wahrhaftige Einhorn in jedem Moment. Einzig seine Gabe, sich in Liebe, Freude und Schönheit zu transzendieren, ist ein gottgegebenes Geschenk, um den wichtigsten Superlativ im Leben, Das höchste Selbst, zu gestalten und weiterzugeben. Nichts anderes als ein Einhorn möchte es sein. Nur dann fühlt es sich in seiner Kraft. Magic!

18 August 2017

Die Einhorn-Gesellschaft

EinhornGesellschaft
Marian Kretschmer 2017

Perfid:
Maßlos und gierig rennen die Menschen dem Leben hinterher. Sie sehnen sich nach Gefühlen. Sie sehnen sich nach Sicherheit. Aus Angst, sich zu isolieren, konsumieren sie alles, was ihnen die Sinne stumpf werden lässt. Über den ihnen geschenkten inneren Reichtum legen sich die aufgetischten Formeln nach mehr Lustgewinn. Sie brechen mit ihrem wahren Wesen.

Perfid:
Die wachsende Gesellschaft ist eine perfekt erscheinende nihilistische Illusion, die real gelebt wird. Leben im Moment heißt:
Sicherheit beim fühlen erleben und erleben von Gefühlen in Sicherheit. Gefahren und Schmerz werden ausgeblendet. Es wird nichts Reales, nichts Tiefes, nichts Gefährliches oder Göttliches zu finden sein. Es wachsen nur Wut und Hass auf die Täuschungen, die wir im Außen erleben.

Perfid:
Der Mensch möchte das Leben erleben, ohne sich wahrhaft auf das Leben einzulassen.
Obwohl es im Denken jedem vertraut und verständlich ist: Das Leben ist lebensgefährlich.

Perfid:
In ihrer Angst vor ihrem wahren Wesen sind die Menschen laut, schwemmen sich auf mit künstlichen Emotionen, erklären hysterisch, dass sie Dieses und Jenes sind. Damit sie nicht feststellen müssen, das sie eigentlich Nichts sind.

Perfid:
Nur im Erkennen und Fühlen der eigenen Nichtigkeit und in der ehrlichen Annahme des empfangenen Schmerzes darüber, wird die wahre Freiheit geboren. Im Keim erstickt sie, wenn das eigene Ego und die eigene Sicherheit wichtiger sind.

Perfid:
Es speisen sich Religionen, selbsternannte Heiler, Gurus vom ewigen Sehnen der Menschen nach tiefen Gefühlen, nach Gemeinschaft. Die Menschen stehen Schlange an ihren Türen, da sie nicht bereit sind, selbst die Verantwortung für sich zu übernehmen. Es bleiben ein gegenseitiges Lecken, Massieren, Beräuchern und Streben nach einem konstruierten Hier und Jetzt, dem ultimativen Kick, dem großen Fest der Gefühle. Alles Hoffen und Wünschen muss klar definiert sein und manifestierte Berechenbarkeit besitzen. Es gelüstet nach spiritueller Entfaltung zum ganzen Universum, aber nicht ohne Rettungsweste und Reiserückflugversicherung.

Perfid:
Jede Handlung muss einem Willem unterworfen sein. Es kann dem allgemeinen Denken nach keine willenlose Handlung geben. Dem Kind wird sein Wille schnell gebrochen, wenn er nicht in unsere vorgedachte Lebenskonstruktion passt. Bleibt das Kind in seinem Fühlen unverstanden, kommen diese Erfahrungen ersten Einbrüchen in die Freiheit gleich. Spontanität und lustvolles Spielen mit den Möglichkeiten, darin kann der Mensch nur ein Verräter, Schmarotzer, Dieb oder Gauner sein.

Perfid:
Menschen brauchen das Wissen von anderen, um selber zu wissen, ob sie fühlen dürfen wie sie fühlen.

Perfid:
Menschen weinen um das nicht Gelebte. Wozu denkt der Mensch sich ein Leben aus, was von ihm nicht gelebt wurde? Warum lebt er nicht das Leben, was er leben darf? Es bleibt allzuoft die Beschäftigung mit seinen zurückliegenden Leben und allem, was darin in der selbst gestalteten Erinnerung wundervoll und schrecklich war. Hexe, Magier, Prostituierte, König, Sklave, Ameise, … jetzt sind wir Einhörner. Die größten, stärksten und schönsten. Wir wollen alles gewesen sein und vor allem die Auserwählten!

Perfid:
Du möchtest, dass ich dich nehme. Du möchtest mir nicht sagen, dass du mich willst. Du willst verführt werden. Du willst, dass deine Absicht nicht klar ist, und dazu soll ich Dich nehmen. Du willst das Opfer sein in der Begegnung. Du willst nicht erhobenen Hauptes als Frau, als Mann, zu deiner Lust stehen. Nein, der Rausch soll entführen, die Betäubung soll vernebeln. Die Lust soll dir aufgezwungen werden, so das du immer auf mich zeigen kannst. Dass du nie an was Schuld hattest. Dass du nie die Verantwortung für dein Leben tragen musst. Dass es keine Begegnung auf Augenhöhe gab. Weil du so denkst, bleibst du unschuldig, denkst du. Aber du machst dich darin zum Täter, weil du mich zum Täter machen willst. Weil du dich nicht traust, mich öffentlich von Angesicht zu Angesicht zu begehren. Weil du einem Einhorn gleichen willst: zart, schön, rein und einzigartig. Über alles erhaben.

Perfid:
Wer möchte wahrhaft Mensch sein?
Durch deine Feigheit folgst du einer langen Tradition und schürst eine scheinbar endlose Tragödie. Eine Tragödie aus Leidenschaft, Schuld, Sühne und Schmerz. Das ewige Drama zwischen Opfer und Täter. Erlösung wird niemand finden. Ein ‚Happy End‘ wird es nicht geben. Es wird keine Liebe in deinem Leben wahrhaft erblühen können. Und somit auch nicht in anderen Leben. So lange nicht, wie wir uns in unseren Taten und Leiden unterwerfen.

Perfid:
Im Leid zu leben, ist Abkehr von einem göttlichen Plan. Selbstmasturbation an seiner eigenen Unterwerfung. Mitleid haben nur die Tatenlosen. Sie führen lieber ein Leben als Einhorn. Zynisch und voller Ironie.

Wer möchte schon wahrhaft Mensch sein?

Treppen und Türen. Türen und Treppen. Wir sind eine Gesellschaft aus Einhörnern. Wir galoppieren Treppen auf und ab, in Eile, und rennen noch jede Tür mit unserem golden Horn ein, bevor wir sehen, hören, fühlen, lieben. Wir sind die Auserwählten. Die Stolzen, die Goldenen, die Coolen, die Bling-Bling- und Spring-Break-Generation, die sich nicht mit der Welt in Demut verbinden muss, weil wir ja so unabhängig sind. Wir sind die Generation, die die Wirklichkeit – Gefühle, Ländereien, Kultur, Beziehungen, Sex, Familie und Mutter Natur – kontrollieren und sich erkaufen möchte.

Perfid:
Wir konditionieren Monogamie. Dabei ist unser Leben ein einziges Fremdgehen, ein Wort- und Treuebrechen. Wir vermögen es nicht, uns wahrhaft zu begegnen und zu lieben.

Perfid:
Das Leben: ein erschöpfender Tanz, nur weil wir uns für regenbogenfarbige, kristallbesetzte, schillernde Einhörner halten.

Wer möchte wahrhaft Mensch sein? Ich will doch schon immer ein Einhorn sein.

Marian Kretschmer, 12. August 2017

Transformation

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Marian Kretschmer 2015

„Die wahre Transformation ist;
anzuerkennen,
das jedem nur seine eingeschränkte Sichtweise zur Verfügung steht,
durch die er nur einen Teil der Wahrheit sieht.

Wer das verinnerlicht, dem wird klar,
dass wir es uns nicht leisten können auf jemandes Sicht zu verzichten.“

Marian Kretschmer 15.08.2017

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Marian Kretschmer 2014

 

 

Missionarsstellung, …

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… ein Wunder der Evolution? Missionarsstellung, öde und langweilig? Assoziiert mit Blümchensex. Das Gegenteil von Spaß und Abenteuer? Eine kitschige Vorstellung von romantischer rücksichtsvoller Liebe? Pflichtbewegtes Abbild einer verstaubten Ehe? Leidenschaft? Nimmer! Warum?Missionarsstellung, eine Begegnung mit dem Kosmos des Gegenübers. Eintauchen in die Tiefen meiner Seele. Ohne Geländer zum Festhalten, ohne Rückfahrtticket. Ohne sicherem Abstand vor Tränen, vor Lachanfällen, vor blinder Wut, vor Hass, vor Zerstörung.

Missionarsstellung, ein Ausliefern an einen Anderen, an ein unbekanntes, alles offenbarendes Universum. Ohne zu wissen, ob es mich verschlingt oder vielleicht ich es verschlinge in meiner Gier. Ob ich mich darin verliere. Ob es mich zerstört oder ich es zertrample.

Leicht ist es, sich ohne Augenkontakt, ohne Kontakt zum Tor der Seele, am Körper berühren und nehmen zu lassen, zu nehmen etwas, was man nicht sieht. Es ist ein überschaubares Risiko, nur einen anderen Körper zu besitzen, zu benutzen, ihn zu besudeln. Schnell ist man ausgezogen und nackt.

Aber sich auf ein ganzes fremdes Universum einzulassen, ohne das Risiko einschätzen zu können, wo es endet, und wo kein Polarstern zum Orientieren zu finden ist? Ich weiß nicht, was ich dort über mich finde, was dort nicht gefunden werden möchte, was ich verliere, und ich dort mein Leben lang aufwendig kultiviert habe. Ich weiß nicht, wie schwarz meine dunkelsten Geheimnisse wirklich sind. Niemand weiß es im Vorhinein, wer vermag das schon abzuschätzen. Dann doch lieber die langweilige Missionarstellung, die schon im Biologie-Unterricht Lehrstoff der 5.Klasse in trockener Theorie unattraktiv mechanisiert wurde. Dann lieber plakativ was cool, spritzig, modern Gelebtes. Lieber sich in der Vielfalt der verschiedenen Stellungen, Variationen der Körper, Variationen von Genuss des äußeren Anblicks verlieren und sich schweißtreibend einer orgasmusheischenden Penetration nach der anderen hingeben. Lieber die unschuldige Einöde der Missionarstellung meiden und sich der Aufregung der Verknotung unsere Körper und ausgeschütteten Säfte hingeben. Und im wohltemperierten, geschützten Raum unseres verträglich eingerichteten Lebens verharren und regelmäßigen Sex als sportliche Freizeitaktivität kultivieren.

Missionarstellung, in ihr (er-)findet sich alles und nichts. Totale Offenbarung, was uns zum Menschen macht und ihn erkennen lässt, wer er ist. Oder nur eine vorgedachte Phrase, die nicht gefühlt werden kann und sich nicht zu transzendieren vermag.

Marian Kretschmer 28.Juni 2017

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Das Wesen

§1 Ich kann nur lieben,
nur Liebe geben.
§2 Ich kann nichts planen, ich kann nur Momenten folgen.
§3 Ich kann nur schenken, und Geschenke annehmen,
die aus Impulsen folgen.

§4 Ich kann nur Inspiration und Impulse schenken.
Wenn diese nicht ihren Paten finden, darf ich weitergehen,
dorthin wo ich schenken darf.

§5 Wenn meine Seele sich nicht schenken darf, entsteht Widerstand.
§6 Ich kann nur mich wahrnehmen, im optimalen Fall,
wenn ich nicht abgelenkt bin.

§7 Ich erkenne mich selbst.
Meine Würde.
Meine Schöpfungskraft
Meine Liebe.

Mein Wesen.

8. Juni 2017 Marian Kretschmer

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„Die Liebe stirbt nie einen
natürlichen Tod. Sie stirbt, weil wir das
Versiegen ihrer Quelle nicht aufhalten, sie
stirbt an Blindheit und Missverständnissen
und Verrat. Sie stirbt an Krankheiten und
Wunden, sie stirbt an Müdigkeit. Sie siecht
dahin, sie wird gebrechlich, aber sie stirbt
nie einen natürlichen Tod. Jeder Liebende
könnte des Mordes an seiner eigenen Liebe
bezichtigt werden. “
Zitat von der wundervollen Anaïs Nin