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… ein Wunder der Evolution? Missionarsstellung, öde und langweilig? Assoziiert mit Blümchensex. Das Gegenteil von Spaß und Abenteuer? Eine kitschige Vorstellung von romantischer rücksichtsvoller Liebe? Pflichtbewegtes Abbild einer verstaubten Ehe? Leidenschaft? Nimmer! Warum?Missionarsstellung, eine Begegnung mit dem Kosmos des Gegenübers. Eintauchen in die Tiefen meiner Seele. Ohne Geländer zum Festhalten, ohne Rückfahrtticket. Ohne sicherem Abstand vor Tränen, vor Lachanfällen, vor blinder Wut, vor Hass, vor Zerstörung.

Missionarsstellung, ein Ausliefern an einen Anderen, an ein unbekanntes, alles offenbarendes Universum. Ohne zu wissen, ob es mich verschlingt oder vielleicht ich es verschlinge in meiner Gier. Ob ich mich darin verliere. Ob es mich zerstört oder ich es zertrample.

Leicht ist es, sich ohne Augenkontakt, ohne Kontakt zum Tor der Seele, am Körper berühren und nehmen zu lassen, zu nehmen etwas, was man nicht sieht. Es ist ein überschaubares Risiko, nur einen anderen Körper zu besitzen, zu benutzen, ihn zu besudeln. Schnell ist man ausgezogen und nackt.

Aber sich auf ein ganzes fremdes Universum einzulassen, ohne das Risiko einschätzen zu können, wo es endet, und wo kein Polarstern zum Orientieren zu finden ist? Ich weiß nicht, was ich dort über mich finde, was dort nicht gefunden werden möchte, was ich verliere, und ich dort mein Leben lang aufwendig kultiviert habe. Ich weiß nicht, wie schwarz meine dunkelsten Geheimnisse wirklich sind. Niemand weiß es im Vorhinein, wer vermag das schon abzuschätzen. Dann doch lieber die langweilige Missionarstellung, die schon im Biologie-Unterricht Lehrstoff der 5.Klasse in trockener Theorie unattraktiv mechanisiert wurde. Dann lieber plakativ was cool, spritzig, modern Gelebtes. Lieber sich in der Vielfalt der verschiedenen Stellungen, Variationen der Körper, Variationen von Genuss des äußeren Anblicks verlieren und sich schweißtreibend einer orgasmusheischenden Penetration nach der anderen hingeben. Lieber die unschuldige Einöde der Missionarstellung meiden und sich der Aufregung der Verknotung unsere Körper und ausgeschütteten Säfte hingeben. Und im wohltemperierten, geschützten Raum unseres verträglich eingerichteten Lebens verharren und regelmäßigen Sex als sportliche Freizeitaktivität kultivieren.

Missionarstellung, in ihr (er-)findet sich alles und nichts. Totale Offenbarung, was uns zum Menschen macht und ihn erkennen lässt, wer er ist. Oder nur eine vorgedachte Phrase, die nicht gefühlt werden kann und sich nicht zu transzendieren vermag.

Marian Kretschmer 28.Juni 2017

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